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Autor

Thomas Löhrer

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Corona-Krise hinterlässt bei vielen Startups eine Spur der Zerstörung. Kapitalrunden werden abgesagt, Bewertungen reduziert, Märkte geschlossen. Die Krise zeigt aber auch, wie wichtig und notwendig neue Ideen und innovative Lösungen für das Gesundheitswesen und eine Gesellschaft im Ausnahmezustand sind. Es ist also Zeit, dass Venture Capital seinem Namen gerecht wird!

Ein giftiger Mix

Die Zahlen sind brutal. Gemäss Swiss Venture Insights Report haben Investoren im ersten Quartal 2020 254 Millionen Schweizerfranken in Startups investiert. Im Q1/2019 waren es 659 Millionen. Auch wenn man die zwei Ausreisser vom Frühjahr 2019 nicht mitrechnet, sind die Investitionen um 28% eingebrochen. COVID-19 verunsichert nicht nur die Investoren. Aufgrund der Unsicherheit, wie es mit der Wirtschaftsentwicklung weitergeht, haben auch die Bewertungen der Startups zum Teil massiv abgenommen. Weniger Kapital, weniger Wert, unklare Perspektiven; ein giftiger, wenn nicht tödlicher Mix für Jungunternehmen. Als Ökonom ist das nachvollziehbar. Börsen, Märkte und damit auch Investoren hassen Unsicherheit. Aber es gibt auch einige Gründe, die dafürsprechen, dass nun viel mehr Geld zu den Startups fliessen müsste. Ich meine damit nicht die tieferen Bewertungen. COVID-19 hat gezeigt, wie systemrelevant digitale Prozesse und Lösungen im Gesundheitswesen sind und wie wichtig es sein wird, das System schnell zu modernisieren.

 

Nicht nur Biotech

Spontan denkt man natürlich an alle Diagnostik-Startups, die nun Hochkonjunktur haben oder an Biotech-Unternehmen, die an Antikörpern oder Impfstoffen forschen. Ein Beispiel dafür ist Creoptix, ein Startup, das auf bioanalytische Instrumente spezialisiert ist und nun daran arbeitet, immunologische Reaktionen auf SARS-CoV-2 zu charakterisieren.


Auf den zweiten Blick zeigen sich aber viel weitreichendere Einsatzgebiete und Bedürfnisse, die eine neue, digitale Unternehmergeneration voraussetzen. Telemedizin-Startups wie docdok.health, Dr. Now.ch oder eedoctors ermöglichen Online-Konsultationen, ideal für die Eindämmung eines Virus. Komed Health, eine Kommunikationsplattform für medizinisches Personal, macht bessere und schnellere Entscheide unter Fachleuten möglich, während Coorpacademy Online-Schulungen und E-Learning anbietet. Und es werden neue Kooperationen geschmiedet und Hypothesen getestet, die beispielsweise aus einem Armband von AVA, gedacht für die Ermittlung der idealen Empfängniszeit, ein Früherkennungs-Instrument für eine COVID-19-Erkrankung machen könnten. Erste Ergebnisse dazu sind im Herbst 2020 zu erwarten. Diese Beispielreihe lässt sich beliebig fortsetzen.

 

Maslow und die Krise

Was aber auch nicht vergessen gehen darf, sind die Konsequenzen von Quarantäne, Isolation, Ausgangssperren. Die unterste Ebene von Maslows Bedürfnispyramide ist da ausreichend abgedeckt. Der Pizza-Kurier ist ja seit Jahren das Symbol für selbstgewählte, spontane Kurzisolation und die Corona-Krise hat dazu geführt, dass auch die letzten Onlineshop-Skeptiker im Schnellverfahren zu Digitaljüngern wurden. Dank COVID-19 ist heute alles online bestell- und lieferbar. Der soziale Kontakt ist nicht mal mehr bei der Übergabe notwendig.


Anders sieht es auf anderen Ebenen der Pyramide aus: Isolation heisst immer auch emotionale Distanz, soziale Barrieren und Ausschluss jeglichen Körperkontakts. Alles Bedürfnisse, die für eine gesunde Psyche essentiell sind. Ob die Umarmung durch Roboter als Ersatzhandlung genügt, versucht die FHNW derzeit im Huggie-Projekt herauszufinden. Konkreteres hat da ein erfolgsversprechendes Schweizer Jungunternehmen zu bieten: CARU hat während und aufgrund der Krise ihr B2B-Produkt kurzfristig auch als B2C-Produkt lanciert. CARU ist ein digitaler Mitbewohner, der nicht nur durch ausgeklügelte Sensorik die Lebensqualität der Nutzerinnen und Nutzer verbessert und Notrufe ermöglicht, er gewährt beispielsweise durch den Familien-Chat auch Nähe in der Isolation.

 

Investiert!

Venture Capital heisst übersetzt Wagniskapital und wie wir alle wissen: nur wer etwas wagt, kann gewinnen. Innovation ist aus meiner Sicht der Schlüssel zur Verbesserung der weltweiten Lebensqualität. Dabei geht es nicht nur, aber auch um Innovation im Gesundheitswesen - ein System, dass wenig Bewegung zeigt und kaum veränderungsbereit ist. Diese Starrheit können innovative Lösungen, die ausserhalb der etablierten Marktteilnehmer entwickelt, gepflegt und gefördert werden, durchbrechen. Dafür brauchen diese Lösungen aber viel mehr und nicht weniger Geld. Die Krise hat den Mehrwert gezeigt, es ist nun an uns, diese Erkenntnis umzusetzen, um für die nächste Krise besser gewappnet zu sein.

 

Hintergrundinformation
CRK engagiert sich seit Jahren für Startups und ist Gründungsmitglied der Swiss Healthcare Startups.

 

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