Full Service Agentur für Kommunikation, Kreation & Kino

Autorin

Farah Choudry

Über Rassismus und Privilegierung – in Gedenken an George Floyd

Bei CRK erlebe ich täglich, was es bedeutet, in einem toleranten, sensibilisierten und sprachaffinen Umfeld zu arbeiten. Meine Arbeitskolleg*innen, allesamt Kommunikationsspezialist*innen, pflegen einen inklusiven Umgang – auch in der Verwendung von Sprache für unsere Kund*innen. Der Diskriminierung, speziell dem Rassismus, wird hier keine Plattform geboten. Umso mehr Betroffenheit löst die aktuelle Situation in den USA bei uns aus.

Ein Thema der Vergangenheit?

Rassismus. Per Definition beschreiben Wörter mit der Endung -ismus eine geistige oder politische Haltung. In diesem Fall handelt es sich um eine Ideologie, die auf der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften basiert. Sie basiert also auch auf der Vorstellung von einer angeborenen Identität. Spätestens in der Schule werden wir mit dem Begriff und ihm verwandten Ereignissen und Geschehen konfrontiert: Kolonialismus – Imperialismus – Sklavenhandel – Antisemitismus - Apartheid. Privilegierte Menschen wie ich lernen dann auch, dass strukturelle und institutioneller Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe eines Menschen oder seiner Herkunft in die Vergangenheit verordnet wird. Gibt es Rassismus also gar nicht mehr?

 

Privilegiert trotz Rassismus

In meinem direkten Umfeld scheint es strukturellen Rassismus tatsächlich nicht zu geben. Das macht mich zu einer höchst privilegierten Person. Und genau das ist der springende Punkt: «privilegiert sein». Menschen, die in dieser Position sind – oft Personen, die der gegebenen gesellschaftlichen Norm zum grössten Teil entsprechen – sind sich ihrer vorteilhaften Stellung meist erst gar nicht bewusst. Ich selbst zähle mich auch zu dieser Gruppe. Und doch habe ich, als Tochter eines Pakistanis, schon oft Rassismus am eigenen Leib erlebt: Menschen, die finden ich sehe ‘exotisch’ aus, die es lustig finden, meine Herkunft mit Terrorismus zu verbinden und darüber in Gesellschaft Witze zu reissen, die mich als Ausländerin schimpfen; Meine Zöpfe packen und sie wie eine Perücke versuchen mir ab dem Kopf zu reissen. Oder mich einfach Fatima nennen, weil dieser Name halt typisch ‘ausländisch’ ist und er schliesslich sehr ähnlich wie Farah klingt. In meinem Alltag begegne ich oft unterschwelligem Rassismus, wie die erste Frage bei jeder neuen Bekanntschaft: «Aus welchem Land kommst du?» Auch wenn diese Frage noch pseudo nicht-rassistisch in «woher kommst du» verpackt wird, empfinde ich sie hochgradig rassistisch und sie nervt mich seit Jahren. Welchen Einblick erhoffen sich Personen, die mich das fragen? Hört einfach auf das zu fragen! Es gibt Spannenderes über Individuen zu erfahren, als woher sie – oder ihre Vorfahren – stammen.

 

Die aktuellen Geschehnisse in den USA

Und nun diese Vorfälle in den Vereinigten Staaten von Amerika… Sie machen mir einmal mehr klar, wie privilegiert ich bin. Wie viele andere, bin ich emotional betroffen vom Schicksal von George Floyd. Ein Mensch, der durch Polizeigewalt grundlos getötet wurde. Ich stelle mir vor, welche Angst George in seinen letzten Momenten durchlitt. Das Video seiner Verhaftung kann ich nicht einmal anschauen. Das Grauen dieser Tat erschüttert mich. Und mir wird klar: Dieser Mensch starb, weil er einem Phänotyp entspricht, welcher systematisch in den USA diskriminiert wird.  Im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», welches sich auf die Freiheit aller Bürger*innen beruft. Racial Profiling ist nicht nur in den USA üblich. Es ist höchste Zeit, dass die Black Lives Matter-Bewegung global Gehör findet und dass auf die absolut berechtigten Demonstrationen und Proteste Handlungen auf politischer Ebene folgen.

Privilegiert sein bedeutet für mich auch, dass ich die Verantwortung trage, mich für die weniger privilegierten Menschen einzusetzen. Egal wie weit entfernt der Konflikt scheint. Machen wir uns gemeinsam stark gegen Rassismus. Tauscht euch über das Thema aus. Informiert euch, was ihr speziell für ‘black communities’ machen könnt. Und das Allerwichtigste: Der Diskurs über Rassismus darf nicht beendet werden, bevor Gerechtigkeit herrscht. #blacklivesmatter

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